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Auswechseln der Festplatte

Text aus dem Buch „Computerhardware für Fortgeschrittene“

18.4 Festplatte wechseln

Achtung: Es gibt Festplatten, die nur im Original-Notebook funktionieren. Wenn man sie ausbaut und als externe Festplatte an einen Computer ansteckt, sind sie nicht lesbar oder enthalten unbekannte Partitionen. Baut man sie in das Notebook ein, funktioniert Windows wieder. Es ist deshalb besser, beim Klonen (oder bei einer Datensicherung) die Festplatte zunächst an ihrem Platz zu belassen und die neue Festplatte extern anzuschließen.
Schlimmer noch: Die Festplatte in manchem Hochsicherheits-Notebook ist verschlüsselt, beim Hochfahren muss man jedesmal ein Passwort eingeben. Wenn man mehrmals ein falsches Passwort eingibt oder wenn man versucht, die Festplatte außerhalb des Notebooks zu betreiben, löscht die Festplatte ihren Schlüssel und die Daten sind für immer verloren.
Es gibt etwa ein Dutzend Image-Programme zum Klonen der Festplatte. Acronis True Image, Paragon Drive Backup und Norton Ghost kosten je 30 bis 50 Euro. Sie sind relativ übersichtlich und haben eine deutsche Bedienoberfläche. DriveImage XML, Partimage, Clonezilla, Partclone, Aomei Data Backupper und DiscWizard von Seagate sind kostenlos. Manchmal findet man zeitlich begrenzte Versionen der Bezahl-Programme im Internet und in Zeitschriften. Mehr dazu, auch zu Problemfällen, auf eifert.net unter „Hilfen“ → „Software“ → „Festplatte klonen“.
Wenn Sie eine Magnetfestplatte durch eine SSD ersetzen wollen, liegt der SSD wahrscheinlich eine CD mit einem Klon-Programm bei. Samsung legt das Programm SAMSUNGSSD bei, das man auch von der Webseite www.samsung.com/samsungssd heruntergeladen werden kann, wenn die CD nicht vorliegt. Den Festplatten von Western Digital liegt Acronis True Image bei.

18.4.1 Klonen mit Acronis True Image

Acronis True Image ist eines der besten Image-Programme. In der Home-Version kostet es etwa 30 Euro. Auf www.acronis.de können Sie eine 30-Tage-Testversion kostenlos herunterladen. Damit können Sie Partitionen, ganze Festplatten oder ausgewählte Ordner sichern, auch inkrementell. Es ist möglich, eine komplette Festplatte auf eine neue, größere Festplatte zu kopieren und dabei neue Partitionsgrößen festzulegen. Ich rate Ihnen, „True Image“ nicht zu installieren, wenn Sie es nur ein einziges Mal brauchen. Sie können direkt von der CD booten.
Stecken Sie die neue Festplatte an: Als zweite Festplatte im PC oder über einen USB-SATA-Adapter. Booten Sie von CD. Es erscheint für einige Sekunden ein Auswahlmenü. Klicken Sie schnell genug auf „Acronis True Image (Vollversion)“, sonst wird der „Windowsstart fortgesetzt“. Nach einer nervigen Wartezeit erscheint das Hauptmenü.
• Klicken Sie auf der Startseite auf „Extras und Werkzeuge“, dann auf „Laufwerk klonen“.
• Im nächsten Fenster können Sie zwischen „Automatisch“ und „Manuell“ wählen. Lassen Sie nicht das Programm raten, welche die Quelle-Festplatte ist! Wählen Sie „Manuell“.
• Die Liste Ihrer Festplatten wird angezeigt. Wenn Sie ein Laufwerk markieren, wird dessen Belegung angezeigt. Wählen Sie das Quelllaufwerk, weiter, dann wählen Sie das Ziellaufwerk.
• Nun können Sie die Größe der Partitionen auf der neuen Festplatte anpassen. Wenn Sie beim Kopieren auf eine größere Festplatte „Proportional“ wählen, werden alle Partitionen um den gleichen Faktor vergrößert. Wenn Sie kein besseres Programm für eine spätere Änderung von Partitionsgrößen haben als den Festplattenmanager von Windows mit seinen sehr beschränkten Möglichkeiten, sollten Sie „Manuell“ wählen und wohlüberlegt die neue Größe für jede Partition festlegen.
• Eine Zusammenfassung wird angezeigt. Überprüfen Sie die Planung, dann „Fertig stellen“.
Wenn keine Fehler auftreten, können Sie anschließend die neue Festplatte anstelle der alten anstecken.
Acronis schätzt den Zeitbedarf anfangs möglicherweise sehr hoch ein, aber nach einigen Minuten pegelt sich die Voraussage auf einen realistischeren Wert ein. Das Klonen dauert meist 10 bis 30 Minuten, selten mehr als eine Stunde. Falls jedoch der Zeitbedarf bei vielen Stunden bleibt, sollten Sie eventuell das Sichern abbrechen und beim nächsten Start des Programms den „abgesicherten Modus“ wählen. Im abgesicherten Modus werden andere Treiber verwendet, wodurch sich der Zeitbedarf drastisch verändern kann – nach unten, aber mitunter auch nach oben.
Tipp: Beobachten Sie das Fenster „Fortschritt der Aktion“. Wenn sich die prognostizierte Restdauer plötzlich verdoppelt, ist Acronis auf einen Bereich der Festplatte gestoßen, wo für zahlreiche Sektoren vielfache Leseversuche nötig waren. Acronis nimmt nun an, dass auch der Rest der Festplatte ebenso problematisch ist. Wenn nicht, geht die Zeitprognose langsam wieder nach unten − bis zum nächsten geschwächten Bereich.
Bei einer älteren Festplatte, besonders bei Notebooks, sind kleinere Schwankungen normal. Doch wenn sich Prognosezeiten verdreifachen, vielleicht gar mehrmals, sollten Sie über den Kauf einer neuen Festplatte oder zumindest über eine häufigere Datensicherung nachdenken.
Auf eifert.net finden Sie unter „Hilfen“ → „Datensicherung“ → „Anleitungen“ mehr über das Klonen sowie eine bebilderte Anleitung.

18.4.2 Die neue Festplatte ist kleiner als die alte

Normalerweise setzt Acronis True Image voraus, dass die Ziel-Festplatte größer oder gleich groß ist wie die alte Festplatte ist. Doch eine SSD-Platte zu kaufen, die so groß wie eine vorhandene Magnetfestplatte ist, dürfte viel zu teuer sein. Was tun?
Eine Möglichkeit ist es, alle vorhandenen Partitionen auf eine Mindestgröße zu reduzieren und sie ohne Lücken dazwischen am Anfang der Festplatte „zusammenzuschieben“. Wenn dadurch der genutzte Teil der Festplatte kleiner wird als die neue Festplatte, ignoriert das Acronis-Klonprogramm den ungenutzten Teil der Festplatte.
Eine andere Möglichkeit ist es, von der Betriebssystempartition und der kleinen Bootpartition am Anfang der Festplatte ein Image auf eine externe Festplatte zu sichern und dieses Image auf die neue, kleinere Festplatte zurückzukopieren. Nachdem man sich von der Funktionsfähigkeit des kopierten Betriebssystems überzeugt hat, löscht man die Betriebssystempartition von der alten, großen Festplatte und steckt diese als Zweitfestplatte für Massendaten in den PC.