Mehrere Betriebssysteme auf einer Festplatte

Dual- und Multi-Boot-Systeme

Ein Computer, auf dem zwei Betriebssysteme installiert sind, unter denen man beim Booten eins auswählen kann, wird als Dual-Boot-System bezeichnet.
Wenn mehr als zwei Betriebssysteme installiert sind, handelt es sich um ein Multi-Boot-System.
Die Betriebssysteme können
 auf unterschiedlichen Massenspeichern  installiert sein, z. B. auf zwei Festplatten oder
• als  virtuelle Maschinen  auf einem Gastsystem oder
• auf unterschiedlichen Partitionen einer Festplatte, wie im folgenden erläutert wird.

Wann sind zwei Betriebssysteme auf einer Festplatte sinnvoll?

  • Das erste (alte) Windows ist defekt und Sie können es nicht reparieren. Sie brauchen dringend Zugriff auf Ihre Daten, um weiter arbeiten zu können. Ein (möglicherweise temporäres) zweites, neues Windows würde Ihnen weiterhelfen.
  • Das erste (alte) Windows ist defekt und Sie können es nicht reparieren. Sie wollen dauerhaft auf ein neu installiertes Windows umsteigen. Das kaputte Windows soll noch erhalten bleiben, damit Sie später Daten, Seriennummern und Passwörter retten zu können.
  • Sie wollen von Windows 7 oder Windows XP (allmählich) auf Windows 10 umsteigen.
  • Sie müssen von Windows 7 oder Windows XP auf Windows 10 umsteigen, können oder wollen aber das alte Betriebssystem behalten: Weil auf Windows 7 eine Software läuft, die zu Windows 10 nicht kompatibel ist oder wenn der Kauf einer für Windows 10 geeigneten Version unangemessen teuer ist. Oder weil Sie ein Gerät weiter nutzen wollen, für das Windows 10 keine Treiber hat.
  • Sie wollen ein neues Betriebssystem ausprobieren.

Voraussetzungen

• Die Festplatte muss groß genug sein. Sie muss mindestens 20 GB, besser 100 GB freien Speicherplatz haben.
• Falls die Festplatte nach MBR-Schema partitioniert ist, ist die Zahl der Partitionen auf vier begrenzt. Und Windows 10 benötigt eigentlich einen GPT-Datenträger.
• Sie brauchen eine Windows-Setup-DVD. Die Anleitung zum Erstellen einer Windows-Setup-DVD oder eines USB-Installationsmediums finden Sie  hier.

Ein zweites Betriebssystem auf einer Festplatte installieren

Platz frei machen für eine neue Partition, wenn das alte Betriebssystem noch funktioniert

Beginnen Sie damit, Programme zu deinstallieren, die Sie zukünftig nicht mehr benötigen.

Das hängt natürlich von Ihrer Zielsetzung ab und wie knapp der Speicherplatz auf der Festplatte ist.
Wenn Sie jetzt wenig Zeit haben, könnten Sie das große Aufräumen auf einen Zeitpunkt verschieben, wenn das neue Betriebssystem fertig eingerichtet ist. Das ist allerdings zeitaufwändig und nicht ohne Risiko: Nach dem Verkleinern der Partition mit dem alten Betriebssystem entsteht freier Speicher vor der Partition mit dem neuen Betriebssystem. Sie müssen die neue Partition „nach vorn“ verschieben. Das können die Microsoft-Diskmanager aber nicht. Sie müssten also einen (ihnen noch unbekannten) Partitionsmanager installieren (siehe die  Übersicht der Partitionsmanager) und damit die Verschiebung vornehmen. Das alles kostet Sie mindestens eine Stunde Zeit.

  • Wenn Sie das alte Windows demnächst ohnehin löschen wollen und genug Platz auf der Festplatte ist, lohnt es kaum, Zeit in das Aufräumen zu investieren. Sie können ja später die Partition mit dem alten Betriebssystem im Ganzen löschen.
  • Bedenken Sie, das die meisten Anwendungen eher klein sind und das Deinstallieren nur wenig Speicherplatz frei macht.
  • Möglicherweise sollten Sie die Auslagerungsdatei verkleinern und durch Deaktivierung des Ruhezustandes die hiberfil.sys löschen.

Empfehlung: Vor der Partitionierung noch eine Datensicherung durchführen!

Wenn bei der nachfolgenden Änderung der Partitionierung ein Stromausfall oder ein Computerfehler auftritt, kann das zu einem Daten-Totalverlust führen. Nachfolgend einige Varianten der Datensicherung, die sich nach Zeitaufwand und benötigtem Speicherplatz unterscheiden.
• Variante 1: Sie können ein Image der Partition erstellen. Sie brauchen dazu eine Programm (z. B. Acronis Drive Image) und eine externe Festplatte, auf der etwa so viel Platz frei ist, wie vom alten Betriebssystem belegt ist.
• Variante 2: Sichern Sie nur ausgewählte Dateien, auf DVD oder auf einen USB-Stick.

Benutzen Sie einen Partitionsmanager, um die Partition mit dem alten Betriebssystem zu verkleinern.

Benutzen Sie das Microsoft-Programm  MS DiskManager oder  MS DiskPart. Oder Sie installieren einen anderen Partitionsmanager, siehe die  Übersicht der Partitionsmanager.
Vermutlich sehen Sie eine kleine Partition von etwa 100 MB mit dem Bootmanager am Anfang der Festplatte. Verändern Sie diese Partition niemals.
Die zweite Partition enthält das Betriebssystem. Sind wenigstens 20 GB frei? Wenn ja, klicken Sie auf diese Partition mit der rechten Maustaste und wählen Sie „Verkleinern“. Geben Sie an, um wieviel die Partition verkleinert werden soll. Lassen Sie dem alten Betriebssystem eine Reserve von etwa 10 %, damit das alte und das neue Betriebssystem nicht ständig warnen, dass eine der Partitionen fast voll ist.

Wenn Sie Windows 7 haben und als zweites Betriebssystem Windows 10 installieren wollen, gibt es ein Problem: Die Festplatte ist mit ziemlicher Sicherheit mit dem MBR-Partitionsschema partitioniert, aber aktuelle Versionen von Windows 10 lassen sich nur auf eine GPT-eingerichtete Festplatte installieren. Doch auch für diesen Fall  gibt es eine Lösung.

Platz frei machen für eine neue Partition, wenn das alte Betriebssystem nicht mehr startet

Beginnen Sie damit, Speicherplatz freizugeben

Ob sich das lohnt, hängt natürlich von Ihrer Zielsetzung und Ihren Kenntnissen ab und wie knapp der Speicherplatz auf der Festplatte ist. Dazu müssen Sie den PC von einer Windows-Installations-DVD starten und mit der Eingabeaufforderung arbeiten. Sie könnten temporäre Dateien oder ausgewählte Programmordner löschen. Das Löschen der hiberfil.sys, falls vorhanden, gibt so viele GigaByte auf der Festplatte frei, wie Sie Arbeitsspeicher haben.

Empfehlung: Vor der Partitionierung noch eine Datensicherung durchführen!

Wenn bei der nachfolgenden Änderung der Partitionierung ein Stromausfall oder ein Computerfehler auftritt, kann das zu einem Daten-Totalverlust führen. Nachfolgend einige Varianten der Datensicherung, die sich nach Zeitaufwand und benötigtem Speicherplatz unterscheiden.
• Variante 1: Sie können ein Image der defekten Partition erstellen. Sie brauchen dazu eine Programm (z. B. Acronis Drive Image) und eine externe Festplatte, auf der etwa so viel Platz frei ist, wie vom alten Betriebssystem belegt ist.
• Variante 2: Booten Sie von einer geeigneten DVD und benutzen sie die Eingabeaufforderung, um ausgewählte Dateien auf einen USB-Stick oder eine externe Festplatte zu kopieren.

Benutzen Sie den Diskmanager DiskPart, um die Partition mit dem alten Betriebssystem zu verkleinern.

Sie brauchen eine Installations-DVD für Windows 7 oder 10 oder eine vorsorglich erstellte  Windows-Notfall-DVD . Booten Sie den PC von dieser DVD. Gleichgültig ob Sie von DVD oder USB-Stick installieren, erscheint zuerst das Menü zur Sprachauswahl. Meist ist „Deutsch“ voreingestellt. Bestätigen sie die Sprachauswahl. Im nächsten Fenster werden Sie gefragt, ob Sie Windows „Jetzt installieren“ wollen. Klicken Sie auf „Computerreparaturoptionen“. Klick auf „Problembehandlung“ bzw. „Erweiterte Optionen“, dann auf „Eingabeaufforderung“.
Geben Sie  diskpart  im Fenster der Eingabeaufforderung ein.
In der Anleitung zum Microsoft-Programm  MS DiskPart sind im Abschnitt Partition verkleinern, um Platz für eine Reparatur frei zu machen“ die Befehle erklärt, die Sie benötigen. Lassen Sie dem alten Betriebssystem eine Reserve von etwa 10 %, damit das neue Betriebssystem nicht ständig warnt, dass eine der Partitionen fast voll ist.

Neues Betriebssystem installieren

Legen Sie die Installations-DVD ein oder stecken Sie den USB-Stick mit der ISO-Datei an. Schalten sie den PC ein und booten Sie von diesem Installations-Datenträger.
Nach der Abfrage der Sprache fragt der Assistent, wohin die Installation erfolgen soll. Verwenden Sie den vorher freigemachten Bereich der Festplatte.
Hier finden Sie eine ausführliche Installationsanleitung für Windows 10.

Auswahl des zu bootenden Systems

Ein Bootmenü wird auf der primären Festplatte installiert, das dem Nutzer erlaubt, nach jedem Einschalten des PCs das zu startende Betriebssystem auszuwählen. In der Regel wird das Bootmenü automatisch installiert.

Windows wird ohne Bootmenü gestartet
  • Möglicherweise ist das Bootmenü zwar vorhanden, wird aber nur für null Sekunden angezeigt. Öffnen Sie die Eingabeaufforderung als Administrator und tippen Sie den folgenden Befehl ein:
    bcdedit /timeout 10  damit das Bootmenü für 10 Sekunden angezeigt wird. Starten Sie den PC neu und probieren Sie, ob das Bootmenü jetzt erscheint.
  • Falls nicht: Starten Sie den PC von einer Windows-10-Setup-DVD. Über „Computerreparatur“ → „Problembehandlung“ → „Erweiterte Optionen“ gelangen Sie zur „Eingabeaufforderung“. Mit dem Befehl   bootrec /rebuildbcd   wird die Datenbank „Boot Configuration Data“ erstellt. Nach dem Neustart sollten Sie im Bootmenü zwischen den beiden Betriebssystemen wählen können.

Eins der Betriebssysteme entfernen

Sie haben zwei Betriebssysteme auf der Festplatte und möchten eins davon „zurückdrängen“ oder endgültig entfernen. Lesen Sie  hier, wie das geht.

Beispiele

Windows als Zweitsystem auf SSD
Windows 7 und Windows 10 auf der gleichen Festplatte

Skills

Posted on

14. Dezember 2020

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